Über uns

Wer die Wahrheit erzählt, braucht ein schnelles Pferd!

„Ist das nicht der mit der Schwimmweste und den Hasenohren?“ oder „der mit dem großen Bären auf den Schultern und dem Steampunk-Bike?“. Die Beschreibungen von Ulrich Bahr, dem Erfinder des Bikes, könnten nicht skurriler und widersprüchlicher sein.

Mit seinen fast 50 Jahren tanzt er noch im Morgengrauen auf Elektro-Festivals in diversen Outfits (Hasenohren…) und organisiert mit Freunden gemütliche Partys in Kiel und Husum. Irgendwie losgelöst von der Gesellschaft zelebriert er ein minimalistisch anmutendes Leben. Gleichzeitig hat es schon etwas Tragischkomisches an sich, wenn man seit 2003 ein Patent an einem Fahrrad hält und die Umsetzung nicht gelingt. Die Geschichte ist geprägt von Zufällen und Rückschlägen, von Bestätigungen, Enttäuschungen und Verbitterung.

Zur Geschichte gehört auch, dass Ulrichs gesellschaftskritische Haltung nicht immer mehrheitsfähig ist. Mit seinen genauen Betrachtungen und mathematischen Fähigkeiten überfordert er oft und erschüttert seine Gegenüber in ihren Grundfesten. Im wilden Westen hieß es, wer die Wahrheit erzählt, brauche ein schnelles Pferd.

Von der Idee zur Erkenntnis

Ende der 80er kommen die MTB‘s von GT in das Leben der Brüder Ulrich und Eric. Von nun an wird die Fahrradtechnik zur Passion. Denn wer fährt, muss auch reparieren. Das verschafft Ulrich unzählige Jobs in Lübecker Fahrradläden, so auch in der Werkstatt von Hadow Wagner. Durch seine Ausbildung als Dreher ergänzen sie sich gegenseitig. Nach einer Weile zieht Ulrich weiter zu Hagen Wechsel, wo es seit über 40 Jahren die besten handgelöteten Fahrradrahmen weit und breit gibt.

Im Sommer 1991 fahren Ulrich und Eric mit einem Freund und drei unterschiedlichen MTBs auf den Brocken. Während Ulrich mit seinem ersten selbst gebauten Bike mit kurzem Rahmen schnell den Berg hinauffährt, kann der Freund mit dem langen Rahmenstand nur bergauf schieben. Oben angekommen wendet sich das Blatt. Ulrich stürzt bei der Abfahrt bereits in der ersten Kurve schmerzhaft. Der Freund auf dem langen Kuwahara fährt jedoch mit einem breiten Grinsen den Grenzstreifen hinunter. Eric ist mit seinem mittleren Radstand den Berg noch ganz gut hinauf gekommen. Beim Herunterfahren stürzt er ebenfalls und bricht sich zwei Rippen.

Die Erkenntnis, dass man mit zwei verschiedenen Geometrien in einem Bike besser gefahren wäre, lässt die Brüder Ulrich und Eric die nächsten Jahre nicht mehr los. Sie gründen eine Werkstatt, experimentieren mit Hydraulik-Technik und entwickeln einen Einrad-Anhänger.

Ein folgenreicher Kompromiss

Während seines Maschinenbau-Studiums und basierend auf den Erkenntnissen der Mathematik PQ-Formel entwickelt Ulrich die Idee für einen Rahmen, der seine Geometrie während der Fahrt ändern kann. Sein Professor ermutigt ihn 1998, das Patent anzumelden. Man solle eine gute Idee im Leben besser sofort umsetzen und das Studium könne man später immer noch abschließen. Das Patent hat er angemeldet, das Studium aber nie beendet. Dennoch hat er inzwischen so viel Praxiswissen erworben, dass man ihm eine Dozentenstelle an der Technischen Hochschule in Katowize angeboten hat.

Zum Ende der Patentschrift entsteht der erste Prototyp. Durch einen Kompromiss bei der Position des Anhängepunktes an der Hinterbau-Schwinge bekommt dieser ungeahnte Eigenschaften. Die Testfahrer beschreiben unisono ein Antrittsverhalten, das sie so noch nie erlebt haben. Durch den Kompromiss ist ein Kniehebel-Effekt entstanden, der proportional aus der Trittkraft den Hinterbau stabilisiert und das Federbein entkoppelt.

Seiner Zeit weit voraus

Diese Erkenntnisse werden nachträglich in das fertig geschriebene Patent eingebunden und es wird 2003 ohne Widerspruch zugelassen.Ulrich gründet die Firma Cycledynesystems und in Zusammenarbeit mit Alu-Tech entsteht Xenomorph, das erste Bike auf Basis des Patents und eine Enduro-Serie. Nach den ersten verkauften Rahmen und dem Innovationspreis iENA 2007 in Bronze, scheitert die Finanzierung für die weitere Produktion daran, dass die Banken kein Geld geben wollen.

Einen engagierter Berater versucht das Patent an Fahrrad-Hersteller zu verkaufen. Leider ohne Erfolg. Dafür begeistern die wenigen Abnehmer die produzierten Rahmen.

Einer der ersten Käufer gründet 2008 die Firma Triibwerk. Für diese Firma entwickelt Ulrich zusammen mit einem Freund eine Design-Studie, die aus einem riesigen Frästeil vom Tretlager bis zur Sattelklemme  besteht. Das Bike soll mit dem Elektronenstrahlverfahren zusammengefügt werden. Es ist seiner Zeit weit voraus.

Die Jahre ziehen ins Land und die Gebühren für das Halten des Patents steigen.

Revolution der bekannten MTB-Geometrie

2015 fassen die Brüdern Eric und Ulrich den Entschluss, eine neue Firma zu gründen. Im Frühjahr 2016 starten sie eine Crowdfunding-Kampagne. Leider finden sich nicht genug Unterstützer. Das Video ist überladen mit technischen Details und spricht die Crowd nicht an. Auch dass nur 3D-Daten und keine Rahmen vorhanden sind, verleiht der Kampagne nicht den nötigen Schwung. Dann springt auch noch der große Hersteller, der die ersten Rahmen vorschießen will, ohne Angabe von Gründen einfach ab. Es ist wie verhext.

Aber die Brüder geben nicht auf. Mittels eines kleinen Kredits gründen sie die Firma Kineticworks UG und suchen parallel weiter Hersteller und Lizenznehmer. 2017 beginnt die Zusammenarbeit mit einem kleinen Hersteller und die Planung für die Serienproduktion startet. Eric verkauft deswegen sein Haus. Zum Vermieter eigne er sich sowieso nicht, ist er überzeugt. Im Laufe des Jahres wird die UG in eine GmbH umgewandelt.

Jetzt kommt das Quintessenz Bike der Brüder auf den Markt und rüttelt an den gängigen Vorstellungen der MTB-Geometrie. Die bisherige Trennung nach Kategorien von  Allmountain – Enduro – Freeride – Downhill ist in dem Bike von Kineticworks aufgehoben. Die volle Bandbreite des Patents ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Hey, Quintessenz, ich will dich kennenlernen!